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Krankheit

Feuerbrand ist eine Bakteriose, die durch das Enterobakterium Erwinia amylovora hervorgerufen wird. Der Wirtspflanzenkreis umfasst Vertreter aus der Familie der Rosaceae, vorwiegend der Unterfamilie Pomoidae (Kernobstholz). Die Krankheit wurde Ende des 18. Jahrhundert im Osten Nordamerikas erstmals beschrieben und verursachte bereits im 19. Jahrhundert schwere Schäden in nordamerikanischen Kernobstanlagen. Sehr wahrscheinlich wurde Erwinia amylovora über infiziertes Pflanzenmaterial nach Nordeuropa und Nordafrika verschleppt. Von dort aus hat sich der Erreger weiter verbreitet, so dass heute fast der gesamte europäische Kontinent vom Feuerbrand betroffen ist. In Deutschland wurde die Krankheit Ende der sechziger Jahre an der Nord- und Ostseeküste erstmals beschrieben. Inzwischen ist sie in ganz Deutschland verbreitet, wobei die wärmeren Gebiete Süddeutschlands wesentlich stärker betroffen sind als der kühlere Norden.

Erwinia amylovora überwintert in der Grenzzone zwischen krankem und gesundem Rindengewebe im Bereich der Canker (Befallsstellen aus dem Vorjahr). Der an diesen Stellen im Frühjahr austretender Bakterienschleim, der aus den Bakterien und dem von ihnen ausgeschiedenen Exopolysaccharid (EPS) Amylovoran besteht, wird durch verschiedene Insekten sowie durch Regen und Wind übertragen. Die Hauptgefahr für einen Befall von Kernobst besteht während der Blüte.

Neben natürlichen Öffnungen wie z.B. Nektarien und die Narbe in der Blüte, Stomata, Hydathoden und Lentizellen, stellen Wunden, insbesondere nach Hagelereignissen, einen weiteren wichtigen Infektionsweg dar. Nachdem das Bakterium in die Pflanze eingedrungen ist vermehrt es sich in den Interzellularen und im Xylem. Das infizierte Gewebe stirbt bis zum Kambium ab und verfärbt sich im Sommer schwarz (Birne) bis braun (Apfel). Dieses Symptom hat der Krankheit ihren Namen gegeben.

Für die Fernverbreitung ist der Mensch ein wichtiger Faktor. Meist wird der Erreger in asymptomatischen Pflanzen oder mit Arbeitsgeräten verschleppt. Neben der wichtigen Blüteninfektion kann der Erreger jedoch auch direkt Triebe infizieren. Die Symptome werden dann zuerst an der Triebspitze deutlich, wobei die terminalen Blätter absterben und Schleim austritt. Eine Infektion schwachwüchsiger Unterlagen über Wurzelsprosse oder Verletzungen tritt gelegentlich auf. Sie ist gravierend, da sie meist zum Absterben des Baums führt. Verfärbungen und Nekrosen werden vorwiegend im Veredlungsbereich ausgebildet.

Befall tritt nicht regelmäßig auf, sondern in Abhängigkeit von der Witterung in langfristigen und räumlich schwankenden Wellen. In Abhängigkeit verschiedener Wirt-Pathogen-Beziehungen, einschließlich Pflanzenalter und Sortenanfälligkeit, kann es zum vollständigen Absterben von Wirtspflanzen kommen. Befallene Blüten und Blätter welken und verfärben sich dunkelbraun bis schwarz, sterben ab und trocknen ein. Unter feuchtwarmen Bedingungen tritt aus den Befallsstellen tröpfchenförmig Bakterienschleim aus.

 

 

 

CankerCanker mit austretendem Bakterienschleim
Canker Canker mit austretendem Bakterienschleim
Canker angeschnittenHerabhängendes schwarzes Blütenbüschel
Canker angeschnitten Herabhängendes schwarzes Blütenbüschel
austretender BakterienschleimBlüte mit schwarzem Blütenboden
Austretender Bakterienschleim Blüte mit schwarzem Blütenboden


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